Untertitelung in den Niederlanden

Geschichte und Gegenwart der Untertitelung in Holland

»Everything you always wanted to know about subtitling, but were afraid to ask.«

Viel früher

Früher war die Übersetzung und Untertitelung ein komplizierter Prozess, bei dem viel Schweiß vergossen wurde.

Für Kinofilme wurde ein chemischer Prozess verwendet, bei dem der Text in den Film eingebrannt wurde. Diese Methode wurde langsam, aber sicher durch die ultramoderne Laseruntertitelung ersetzt.

Im Fernsehen wurde die Kamera-Methode verwendet, bei der das Videobild mit den Untertiteln gemischt wurde. Während das Programm abgespielt wurde, war eine Kamera auf die Karten mit den Untertiteln gerichtet, und diese beiden Bilder zusammen bildeten die untertitelte Sendung. Ein System sorgte dafür, dass die Karten vor der Kamera zum Liegen kamen. Derjenige, der das Ganze bediente, hieß »Titelregisseur«. Er war nicht der Übersetzer, es musste also für die Sendung geübt werden, denn den richtigen Untertitel im richtigen Moment ins Bild zu platzieren war und ist eine schwierige Aufgabe, vor allem dann, wenn man das Programm zum ersten Mal sieht. Noch schwieriger war es für den Titelregisseur, wenn es sich um einen Film in einer unüblichen Sprache handelte. Mit Hinblick darauf, dass ein Film durchschnittlich aus ungefähr 700 Untertiteln besteht, musste man auch aufpassen, dass einem während der Vorbereitung auf die Sendung der Stapel mit den Untertiteln nicht aus den Händen fiel.

Selbst mit der modernsten Technik dauert es zwischen zweieinhalb und fünf Stunden, bis eine einstündige Talkshow mit klaren Untertiteln versehen ist. Die Übersetzung eines solchen Programms kostet den Übersetzer/Untertitler zwischen zwei und vier achtstündigen Arbeitstagen. Und dann ist noch keine Rede von einem nachschlage-intensiven Dokumentarfilm. Bei einem eineinhalb Stunden dauernden Film ist der Untertitler rund fünf Tage intensiv beschäftigt.

Die Kamera-Methode ist längst durch modernere Techniken ersetzt, sie wird allerdings noch für angewandte Aufgaben verwendet.

Der Aufstieg des Charaktergenerators

Danach kam ein Gerät, wodurch das Videobild geschickt wurde und am anderen Ende dasselbe Bild mit Untertiteln herauskam: der Charaktergenerator. Die Untertitel standen nicht mehr auf dem Papier, sondern waren auf Disketten gespeichert. Der Titelregisseur war immer noch nötig, um die Untertitel live ins Bild zu platzieren. Das scheint sehr einfach, doch wie schwer diese Arbeit ist, sehen wir noch regelmäßig im Fernsehen, vor allem in Nachrichtensendungen, wo jede Minute zählt und deshalb nicht immer Zeit übrig bleibt, um eine Titelkopie (das finale Band mit Untertiteln) herzustellen.

Das bringt mich gleich zur besten Lösung, die es gibt, nämlich eine untertitelte Kopie des Mutterbandes. Zwischen den Abspieler und den Recorder wird ein professioneller Charaktergenerator angeschlossen, der die Kopie (Submaster) mit haarscharfem Text ausstattet. Diese Methode wird grundsätzlich bei (untertitelten) Betriebsfilmen, Videoproduktionen, Homevideos und Fernsehsendungen eingesetzt. Obwohl es für das Fernsehen aus vielen Gründen enorm wichtig ist, dass nichts schief geht, werden doch nur selten Titelkopien eingesetzt. Meistens sorgen ein Computer mit einem Charaktergenerator dafür, dass das Bildmaterial und die Untertitel gleichzeitig im Bild erscheinen.

Der Übersetzer – Untertitler

Den Titelregisseur von früher gibt es immer noch, doch dieser Beruf ist am Aussterben. Der Untertitler der Gegenwart übersetzt nicht nur, sondern er besorgt selbst auch die Platzierung der Untertitel durch die Eingabe des Zeitcodes. Diese Arbeit wird einer ausgewählten Gruppe von Menschen anvertraut, die stets wächst. Gab es vor zehn Jahren noch genau so viele Übersetzer wie die Anzahl Zeichen in einem Untertitel, ist es nun das Zehnfache.

Vorbereitungseinheit (Preparation-unit)

Zur Zeit arbeiten die meisten freiberuflichen Untertitler mit der sogenannten Prep(aration)-unit. Dieses relativ teure Gerät leiht der Auftraggeber dem Untertitler aus, damit dieser zu Hause arbeiten kann; für jene, die sich ihr eigenes Werkzeug kaufen wollen, sind gegenwärtig preisgünstige Prep-units auf dem Markt. Die Prep-unit besteht aus einem Computer mit Bildschirm, Videomonitor, umgebauten Videorecorder und Randapparatur. Für jeden Übersetzungsauftrag erhält der Untertitler vom Auftraggeber eine VHS-Kassette mit Zeitcode-Referenz und Zeitbalken, so dass die Untertitel auf eine relativ schnelle Weise mit der Zeit der Ein- und Ausblendung versehen werden können. Sobald die Übersetzung fertig ist, liefert der Untertitler eine Datei mit der Übersetzung und den Ein- und Ausblendezeiten. Diese Datei kann weiter in Titelkopien oder TV-Sendungen verarbeitet werden.

Das bringt mich zum Untertitler aus dem Anfang der Achtziger Jahre, der zu Hause mit einem Bleistift, Radiergummi und kariertem Papier an Untertiteln saß. Diese Untertitel tippte ein Typist auf einem Charaktergenerator im Wert von ca. NLG 80.000, danach fügte oft der Übersetzer selbst zu den Untertiteln die Ein- und Ausblendezeit hinzu. Diese Tätigkeit, die ›Spotting‹ genannt wird, machte man mit demselben Charaktergenerator. Die Untertitel wurden qualitativen Änderungen unterzogen, weil nun der Übersetzer selbst mit einer unmöglichen Textmenge während eines begrenzten Zeitraums konfrontiert wurde.

Arbeitsverfahren

Lesegeschwindigkeit heißt das Schlüsselwort. Der Übersetzer hat mit Zeit- und Raumbegrenzungen zu tun. Man liest langsamer als man hört, daher muss der Untertitel an die Lesegeschwindigkeit des Zuschauers angepasst werden. Ein voller Untertitel mit einer Länge von (maximal) zwei Zeilen erscheint ca. fünf bis sechs Sekunden im Bild. Was den Raum betrifft, stehen dem Übersetzer 35 bis 39 Zeichen pro Zeile zur Verfügung, alle Satzzeichen und Leerzeichen mitgerechnet: Ein ›W‹ ist breiter als ein ›i‹. Es ist also eine Aufgabe des Übersetzers, den Text zu kürzen, ohne dass die Bedeutung verloren geht. Das führt oft zur Umgestaltung des grammatischen Baus eines Satzes, so dass jene Zuschauer, die die Ausgangssprache teilweise verstehen, die Orientierung verlieren. Doch der Zuschauer, der von der Kenntnis der Originalsprache nicht abgelenkt wird, versteht die Untertitel im Augenblick, wenn sie im Bild erscheinen. Auch wenn der Übersetzer aus grammatischen Gründen aus einem Hauptsatz einen Nebensatz machen muss. Die Kombination der Grammatik und Lesegeschwindigkeit kann in den extremsten Fällen dazu führen, dass ein Untertitel das Gegenteil davon ist, was gesagt wird: Im Untertitel steht ›ja‹, aber im Film wird ‹nein‹ gesagt. Außerdem verniederländischt der Übersetzer die Originalsprache. Es geht also nicht, wie sich viele Menschen denken, um eine wörtliche Übersetzung. Die Frage, die sich der Untertitler ununterbrochen zu stellen hat, ist: Wie würde ich es unter gleichen Umständen im Niederländischen sagen?

Die beste Art, sich von seinen eigenen Übersetzungsqualitäten zu überzeugen, ist es, ein paar Minuten von einem schwierigen Programm aufzunehmen, die bestehenden Untertitel zuzudecken und selbst zu probieren, Untertitel zu erstellen.

Übersetzungsbüros/Untertitelungsgesellschaften

In den Niederlanden gibt es viele Firmen, die auf die Übersetzung und Untertitelung spezialisiert sind.

Die meisten Gesellschaften machen Gebrauch von Diensten fachkundiger und renommierter freiberuflicher Übersetzer. Für die Zielsprache werden immer Muttersprachler eingesetzt; Menschen, die mit der betreffenden Sprache aufgewachsen sind und das Land wie die Gewohnheiten kennen. Da niemand unfehlbar ist, werden nicht nur die Übersetzung, sondern auch die Ein- und Ausblendezeiten von einem Korrektor kontrolliert, der sowohl die Ausgangs- als auch die Zielsprache beherrscht. Sobald der Endredakteur seine Arbeit getan hat, wird eine Viewing Copy oder ein Ausdruck der Übersetzung an den Auftraggeber geschickt. Die meisten Firmen liefern professionelle Titelkopien in allen denkbaren Videoformaten oder als Datei in einem der gängigen Softwareformate, so dass der Kunde den wertvollen Master bei sich behält und selbst einen untertitelten Submaster mit Hilfe eines Charaktergenerators herstellt.

Die Übersetzungs- und Untertitelungskosten von Produktionen hängen von einer Reihe Faktoren ab wie Länge der Produktion, Ausgangssprache, Zielsprache, Manuskript in der Ausgangssprache (oder eventuell der Zielsprache), Schwierigkeitsgrad, Lieferzeit usw.