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Schnellzug Pendolino: Pleiten, Pech und Pannen

Mittwoch, 25. 1. 2006| Radim Sochorek| Dauerlink | Kategorie: Ostrava/Ostrau
Radim Sochorek
Aus dem lang ersehnten Traumprojekt der tschechischen Bahn wurde ein Albtraum. Nach und nach wurden die sechs auf der Strecke zwischen Ostrava und Prag eingesetzten Schnellzüge vom Betrieb genommen, da sie immer wieder wegen Softwarefehler auf der Strecke blieben. Gestern ging dem letzten Zug unterwegs buchstäblich der Dampf aus.

Pendolino-Billboard der Tschechischen Bahn
"Besser, als Sie erwartet haben": Ein Zug, der nicht mehr ankommt.

Das erklärte Ziel für den Einsatz der Pendolino-Züge war eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Ostrava und der Hauptstadt. Dafür mussten unter anderem die Zugstrecken grundlegend umgebaut werden. Wegen der zusammenhängenden Bauarbeiten mussten die Reisenden in den vergangenen Jahren viel Geduld aufbringen. Inzwischen wurden die neuen Züge getestet, doch es traten immer wieder technische Probleme auf, so dass der Schieneneinsatz im Normalbetrieb immer wieder verschoben werden musste.

Nach dem Start im vergangenen Dezember zog die neue Technik große Aufmerksamkeit auf sich. Menschen ließen sich vor den Lokomotiven fotografieren und viele nahmen den höheren Ticketpreis in Kauf, um anschließend begeistert über die Zugfahrt zu berichten. Doch es waren nicht nur Jubelrufe zu hören: innen hatten die Reisenden wenig Raum, Gepäckraum war eine Mangelware und aus dem fahrenden Zug konnte nicht telefoniert werden. Die Toiletten funktionierten nicht einwandfrei und über die Qualität des Zugrestaurants ließe sich lange diskutieren.

Mittlerweile interessiert sich für die Züge auch die Polizei. Es besteht nämlich ein Verdacht auf die Straftat im Zusammenhang mit der Bestellung von Ersatzteilen. Der tschechische Staat drohte mittlerweile dem italienischen Hersteller mit der Rückgabe aller Züge, wenn die Probleme nicht bis Ende des Monats behoben werden.

Heute, nach dem sukzessiven Rückzug der "Schnell"-Züge von der Schiene, kam die Ernüchterung und Erkenntnis, dass die als Ersatz eingesetzten klassischen Züge für die Strecke genauso viel Zeit brauchen wie ihre störungsanfälligen Kollegen.


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