Sorbisch - eine aussterbende slawische Sprache
Montag, 18. 6. 2007| Radim Sochorek| Dauerlink | Kategorie: Welt der Sprachen
Radim Sochorek
Das Sorbische (auch: Wendisch) ist eine westslawische Sprache, verwandt mit dem Tschechischen und Polnischen. Die Heimat der Muttersprachler liegt in Lausitz in den Bundesländern Brandenburg und Sachsen in der Nähe der Grenze an Tschechien und Polen.
Nieder- und Oberlausitz - sorbisches Sprachgebiet
Im Jahr 1987 wurde die Anzahl der Sorben auf 67.000 geschätzt. Die Sorben wurden vor dem Jahr 1989 von der DDR-Verfassung geschützt, heute sind ihre Rechte in den Landesverfassungen beider Bundesländer verankert. Ihnen wird Sprachunterricht an den Schulen garantiert, für die Erhaltung der Sprache setzen sich kulturelle Institutionen ein, und die Sorben haben auch Raum für die Benutzung ihrer Sprache in den lokalen Medien und bei Gottesdiensten.
Es bestehen 2 Varianten des Sorbischen, manchmal werden diese aber für 2 selbstständige Sprachen gehalten, weil sie trotz der gemeinsamen Verwandtschaft und Verständlichkeit bestimmte Unterschiede ausweisen.
Obersorbisch
- Zentrum Bautzen/Budyšin (Sachsen)
- die Vokale haben ihre Länge verloren (wie im Polnischen)
- Betonung der 1. Silbe (wie im Tschechischen)
- Wandlung des Slawischen 'g' in 'h'
- 7 grammatische Fälle
- Wortkürzung
Niedersorbisch
- Zentrum Cottbus/Choœebuz (Brandenburg)
- Erhaltung des slawischen 'g'
- 6 grammatische Fälle
- weniger Sprecher, die Sprache stirbt aus
Der älteste zusammenhängende Text ist der Treueschwur der Einwohner von Bautzen aus dem Jahr 1532. Die Schrift und Rechtschreibung wurden zuerst nach dem deutschen Vorbild verwendet, seit dem Jahr 1679 wurde die Orthografie auf dem Tschechichen basiert (Jacobus Ticinus: Principia linguae wendicae). Bis zum Jahr 1841 erschienen die sorbischen Texte - überwiegend religiöse Titel - in der Fraktur, danach wurde eine neue Rechtschreibung eingeführt, nach dem tschechischen und polnischen Vorbild in der lateinischen Schrift.
Noch im 18. Jahrhundert existierten 3 hochsprachliche Varianten: Niedersorbisch, Obersorbisch für die Katholiken und Obersorbisch für die Protestanten (das Obersorbische wurde nach dem 2. Weltkrieg vereinheitlicht). Einen großen Einfluss auf das Sorbische hat die Umgebungssprache Deutsch - in der Literatur beträgt der Anteil der deutschstammigen Wörter 5 %, in der Umgangssprache sind es bis zu 50 %.
Nieder- und Oberlausitz - sorbisches Sprachgebiet
Im Jahr 1987 wurde die Anzahl der Sorben auf 67.000 geschätzt. Die Sorben wurden vor dem Jahr 1989 von der DDR-Verfassung geschützt, heute sind ihre Rechte in den Landesverfassungen beider Bundesländer verankert. Ihnen wird Sprachunterricht an den Schulen garantiert, für die Erhaltung der Sprache setzen sich kulturelle Institutionen ein, und die Sorben haben auch Raum für die Benutzung ihrer Sprache in den lokalen Medien und bei Gottesdiensten.
Es bestehen 2 Varianten des Sorbischen, manchmal werden diese aber für 2 selbstständige Sprachen gehalten, weil sie trotz der gemeinsamen Verwandtschaft und Verständlichkeit bestimmte Unterschiede ausweisen.
Obersorbisch
- Zentrum Bautzen/Budyšin (Sachsen)
- die Vokale haben ihre Länge verloren (wie im Polnischen)
- Betonung der 1. Silbe (wie im Tschechischen)
- Wandlung des Slawischen 'g' in 'h'
- 7 grammatische Fälle
- Wortkürzung
Niedersorbisch
- Zentrum Cottbus/Choœebuz (Brandenburg)
- Erhaltung des slawischen 'g'
- 6 grammatische Fälle
- weniger Sprecher, die Sprache stirbt aus
Beispielwörter in den beiden sorbischen Sprachvarianten
(Deutsch - Obersorbisch - Niedersorbisch)
Baum - štom - bom
Brötchen - calta - guska
Finger - porst - palc
Freiheit - swoboda - lichota
müssen - dyrbjeæ - musaœ
Norden - sewjer - pódpolnoc
Saite - truna - tšuna
Schwester - sotra - sotša
Mädchen - holca - Ÿowæo
(Deutsch - Obersorbisch - Niedersorbisch)
Baum - štom - bom
Brötchen - calta - guska
Finger - porst - palc
Freiheit - swoboda - lichota
müssen - dyrbjeæ - musaœ
Norden - sewjer - pódpolnoc
Saite - truna - tšuna
Schwester - sotra - sotša
Mädchen - holca - Ÿowæo
Der älteste zusammenhängende Text ist der Treueschwur der Einwohner von Bautzen aus dem Jahr 1532. Die Schrift und Rechtschreibung wurden zuerst nach dem deutschen Vorbild verwendet, seit dem Jahr 1679 wurde die Orthografie auf dem Tschechichen basiert (Jacobus Ticinus: Principia linguae wendicae). Bis zum Jahr 1841 erschienen die sorbischen Texte - überwiegend religiöse Titel - in der Fraktur, danach wurde eine neue Rechtschreibung eingeführt, nach dem tschechischen und polnischen Vorbild in der lateinischen Schrift.
Noch im 18. Jahrhundert existierten 3 hochsprachliche Varianten: Niedersorbisch, Obersorbisch für die Katholiken und Obersorbisch für die Protestanten (das Obersorbische wurde nach dem 2. Weltkrieg vereinheitlicht). Einen großen Einfluss auf das Sorbische hat die Umgebungssprache Deutsch - in der Literatur beträgt der Anteil der deutschstammigen Wörter 5 %, in der Umgangssprache sind es bis zu 50 %.
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