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Katalanisch - die Sprache im Fokus der diesjährigen Buchmesse

Mittwoch, 10. 10. 2007| Radim Sochorek| Dauerlink | Kategorie: Welt der Sprachen
Radim Sochorek
Die heute eröffnete Frankfurter Buchmesse steht dieses Jahr im Zeichen der katalanischen Literatur und Kultur. Katalonien ist unzertrennlich mit seiner Sprache verbunden, die jahrzehntelang zulasten des Spanischen unterdrückt wurde. Im Vorfeld der Messe wurde heftig diskutiert, ob zu den geladenen Gästen auch die spanisch schreibenden Schriftsteller der katalanischen Region gehören sollten. Ihre bedeutendsten Vertreter haben die Teilnahme schließlich selbst abgelehnt.

Katalanisch - Fakten

Romanische Sprache, achtgrößte innerhalb der EU

Verbreitung des Katalanischen in Europa7 Mio. Muttersprachler, 3 Mio. mit Passivkenntnissen

Verbreitung:
- Nordosten Spaniens (regionale Amtssprache in den autonomen Gemeinschaften Katalonien, Valencia, Balearen)
- Andorra (Amtssprache)
- Südfrankreich (Département Pyrénées-Orientales)
- italienisches Sardinien (Hafenstadt Alghero)



Das eigentliche Katalanisch, obwohl es vor allem in Spanien verbreitet ist, ist kein Dialekt des Spanischen. Es handelt sich um eine selbstständige romanische Sprache an der Grenze zwischen der iberoromanischen und galloromanischen Sprachgruppe. Aus der Sicht des Wortschatzes ist sie ähnlicher dem Portugiesischen oder Italienischen als dem Spanischen.

Das Katalanische war ursprünglich eine Varietät der lateinischen Sprache auf dem Gebiet beiderseits der Pyrenäen, genannt Marca Hispanica, das niemals für eine längere Zeit von den Arabern besetzt war. Auch daher ist sein Wortschatz vom Arabischen weit weniger beeinflusst als das Spanische. Die Sprachen, die dagegen den größten Einfluss auf den katalanischen Wortschatz hatten, sind Okzitanisch, Französisch und Spanisch.

Die ersten Züge einer vom Latein abweichenden Sprache tauchen in den lateinischen Texten auf dem Gebiet Kataloniens seit dem 9. Jahrhundert auf, erste Werke der katalanischen Literatur erscheinen im 12. Jahrhundert. In dieser Zeit entwickelt sich die katalanische Sprache im engen Kontakt mit dem Okzitanischen, das in Katalonien bis zum 15. Jahrhundert die Sprache der Poesie war. Bis zum 15. Jahrhundert war Katalanisch auch auf Sizilien verbreitet, bis zum 17. Jahrhundert auf Sardinien. Die Balearen wurden zum Zufluchtsort der Flüchtlinge aus Ostkatalanien.

Die einheitliche Schriftsprache entwickelte sich im 15. Jahrhundert. Nach dem Zeitraum ihres Verfalls (1716 Spanisch zur einzigen Unterrichtssprache erklärt, 1779 Verbot von Theaterstücken auf Katalanisch) wurde in Katalonien im 19. Jahrhundert die sprachliche und kulturelle Erneuerung eingeleitet. Im Jahr 1913 erscheinen die Rechtschreibregeln, 1918 Grammatik und 1932 das katalanische Wörterbuch. Die Grundlage dieses modernen Katalanischen ist die Sprache des Mittelalters und der Sprachgebrauch der gebildeten Schichten, inbesondere in Barcelona.

Im Zeitraum der Francodiktatur 1939-1975, als das Katalanische verboten war, hat sich die Sprache in dieser Form konserviert.

Innerhalb der vergangenen 25 Jahre unternahm die regionale Regierung einen enormen Aufwand, um die Stellung des Katalanischen im öffentlichen Leben wiederherzustellen. Hispanisierte Eigennamen erhielten ihr ursprüngliche Form, 90% des Unterrichts an den örtlichen Schulen, genauso wie die Mehrheit der Vorlesungen an den Universitäten, werden heute bereits in dieser Sprache abgehalten. Für ein Dienstverhältnis im öffentlichen Dienst müssen Katalanischkenntnisse nachgewiesen werden. Katalanisch schreiben 1200 Schriftsteller, Radios müssen sich an daran nach Sprachquoten halten, Geschäfte müssen auf katalanisch gekennzeichnet sein.

Da seine schriftliche Form bisher nur von 50 % der Bevölkerung beherrscht wird, ist das Zeil der sprachlichen Wiederherstellung aber noch eine Zukunftsmusik.

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