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Ursprüngliche Sprachen in Südalberta kämpfen ums Überleben

Montag, 12. 10. 2009| Radim Sochorek| Dauerlink | Kategorie: Welt der Sprachen
Radim Sochorek
In ganz Kanada existieren mehr als 50 indigene Sprachen. Einige gedeihen gut – das Kri hat beispielsweise 80.000 Sprecher, welche es jeden Tag sprechen. Dutzende weitere Sprachen kämpfen jedoch ums Überleben. Die Versammlung de First Nations erklärte im Jahr 1998 den Notstand.

SüdalbertaIn Südalberta ist jede der Sprachen des 7. Vertrags (zwischen der Königin Victoria und Vertretern der Indianerstämme über die Errichtung der Reservate) auf unterschiedlichen Bedrohungsstufen. Während der Sioux-Dialekt Nakoda, den 1500 von 4000 lebenden Mitgliedern des Stammes Stoney Nakoda sprechen, trotz einer aufgelösten mündlichen Tradition im relativ besten Zustand ist, hat die Blackfoot-Sprache ihrer südlichen Nachbarn Siksika schlechtere Aussichten. Zwar hat sie 4000 Sprecher, doch ihre Kinder lernen diese Algonkin-Sprache nicht. Sarcee, die Sprache des kleinsten der Stämme Tsuu T'ina, ist in ihrer Existenz bedroht. Während einiger Jahrzehnte sterben die meisten ihrer Sprecher.

Wie kam es zu diesem Stand? Bereits der Abschluss des 7. Vertrages im Jahr 1877 war entsprechend der mündlichen Tradition der beteiligten Indianerstämme ein Irrtum wegen sprachlicher Missverständnisse. Die Dolmetscher vermochten es angeblich nicht, Wörter wie 'kapitulieren' oder 'Gebiet abtreten' aus dem juristischen Englisch in die drei Indianersprachen richtig zu übertragen.

Von der Kirche und vom Staat finanzierte Internatsschulen begannen bereits Jahrzehnte vor dem Abschluss des Vertrages mit dem Unterricht der eingeborenen Kinder. Diese Internate existierten bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Kinder durften darin keine andere Sprache als Englisch sprechen.

Ein weiterer Schlag kam, als die Busse die Kinder in die Schulen fuhren. In die Reservate wurde Strom eingeführt und kurz darauf hatten die meisten Indianerfamilien ein Fernsehgerät zu Hause. Heute stellt ein ähnliches Hindernis für die Spracherhaltung die Verbreitung des Internets dar.

Das einzige Mittel, wie man sich dem Rückgang der Sprecher stellen kann, ist der Sprachunterricht. Die Kinder sollen ihre kulturelle Tradition kennenlernen, um sie für die Zukunft zu bewahren.

Die Experten sehen eine Chance in der Wiedegeburt der indigenen Sprachen dank jenen Sprechern, die sie als ihre Zweitsprache sprechen. Im Geiste der Erneuerung entsteht so ein Nakoda-Wörterbuch, und es wird der Sprachunterricht gefördert. Es ist keine Erfolgsgarantie, aber eine Chance. Wie vielen bewusst geworden ist, wenn eine Sprache ausstirbt, ist es endgültig und unumkehrbar.

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