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Samstag oder Sonnabend?

Samstag, 17. 4. 2010| Radim Sochorek| Dauerlink | Kategorie: Welt der Sprachen
Radim Sochorek
Im Hochdeutschen werden 2 gleichwertige Ausdrücke für den vorletzten Tag der Woche benutzt: Samstag und Sonnabend. Den 'Samstag' hat das Deutsche aus dem Griechischen übernommen, er ist jedoch hebräischen Ursprungs (Sabbat), und verbreitete sich aus Bayern. Der 'Sonnabend' – wörtlich gemeint 'der Abend vor dem Sonntag' – hat seinen Ursprung in der angelsächsischen Mission (altengl. sunnanæefen).

Welcher Ausdruck wird wo benutzt
Die Isoglossen der Verbreitung beider Bezeichnungen des 6. Wochentages nach einer Umfrage aus dem Jahr 2002: Der Samstag verbreitete sich auch im Nordwesten Deutschlands, der Sonnabend kopiert teilweise die ehemalige Grenze zwischen den deutschen Staaten.

Während der Samstag in Süd- und Westdeutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet ist, treffen Sie auf den Sonnabend hauptsächlich im Norden und Osten der BRD. Die dritte existierende Form 'Satertag' (wörtlich: 'Saturns Tag') ist rein mundartlich und wird in der Nähe der niederländischen Grenze verwendet (siehe zaterdag im Niederländischen bzw. Saturday im Englischen).

Noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts war das Verhältnis zwischen den beiden Varianten ausgeglichen, der Samstag hatte unter den Muttersprachlern nur ein leichtes Übergewicht. In der ehemaligen DDR (und in Westberlin) war der Sonnabend mehr oder weniger die einzige benutzte Form, der Samstag wurde dort für einen regionalen bzw. mundartlichen Begriff gehalten. Genauso war im Norden des ehemaligen Westdeutschlands der Sonnabend die verwendete Variante, doch die Mehrheit der westdeutschen Bürger benutzte den Samstag. Da auch die Bundespost und Bundesbahn überregional einheitlich Samstag benutzte, konnte sich diese Bezeichnung langsam auch in den nördlicheren Regionen durchsetzen.

Seit der Wiedervereinigung verschiebt sich die Isoglosse Samstag/Sonnabend zuungunsten des Sonnabends. Im östlichen Bundesland Thüringen benutzen immer mehr Sprecher den Samstag; Nachbarbereiche auf der Westseite der ehemaligen Grenze, die für Jahrzehnte den Kontakt mit ihren ursprünglichen Mundartgebieten verloren, orientierten sich zu den Zeiten der hermetisch abgeriegelten Grenzen auf die Nachbarregion Franken im Inland und übernahmen von dort den Samstag. Vor allem jüngere Thüringer schlossen sich Anfang der 90er Jahre – aus wirtschaftlichen Gründen – diesem Trend an, und übernahmen von den Franken auch einige weitere Sprachzüge.

Der Samstag hat neben der Verbreitung durch die elektronischen Medien eine immer stärkere Stellung auch aus pragmatischen Gründen: die Wortzusammensetzung Samstagabend klingt besser als Sonnabendabend, und vergessen wir auch nicht die Kalenderabkürzung Sa für Samstag, die sich vom So für Sonntag unterscheidet.

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