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Rückkehr der verbotenen Buchstaben in die Türkei

Dienstag, 8. 10. 2013| Radim Sochorek| Dauerlink | Kategorie: Welt der Sprachen
Radim Sochorek
Die Türkei wurde im Jahr 1928 einer Sprachreform unterzogen. Die Verwendung der arabischen Schrift wurde aufgehoben, man hat begonnen, modifizierte lateinische Schrift mit einigen türkischen Sonderzeichen zu verwenden. Die Reformatoren wiesen auf die hohe Vokalfrequenz im Türkischen hin, die in der arabischen Schrift meistens nicht geschrieben werden, aber auch auf die einfachere Erlernung der lateinischen Schrift – bei der damaligen Analphabetenquote von 90 % war das ein bedeutendes Argument.

Türkisch-kurdischer WegweiserKemal Atatürk selbst erklärte: "Wir müssen uns von den unverständlichen Zeichen der arabischen Schrift befreien, die uns wie eine eiserne Kette an vergangene Jahrhunderte klammert. Unsere Nation wird in ihrer Schrift fortan zeigen, dass sie zur zivilisierten Welt gehört!"
Die Verwendung der arabischen Schrift wurde unter Strafe gestellt, Journalisten, Lehrer und Beamte bekamen 3 Monate Zeit, um die neue Schrift zu lernen. Dann mussten sie sich einer Prüfung unterziehen. Wer sie nicht bestand, wurde entlassen.

Im neuen türkischen Alphabet fehlten jedoch Q, W und X, die im Kurdischen vorkommen. Es war damit nicht möglich, einen Namen zu verwenden, der einen dieser Buchstaben enthielt. Der letzte Tropfen war das Verbot des Kurdischen im Jahr 1982, in dessen Folge die Verwendung der "kurdischen" Buchstaben bestraft wurde – bekannt sind Urteile wegen Verwendung von Q, W oder X auf Transparenten oder in Neujahrswünschen.

Türkischer Ministerpräsident machte nun bekannt, dass im Rahmen von demokratischen Reformen die Buchstaben Q, W und X fortan erlaubt werden sollen.

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